In den Fonds „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft (EVZ)“ zur Entschädigung der NS-Zwangsarbeiter hatte AUG. PRIEN nach der Jahrtausendwende etwas eingezahlt. Es war eher eine symbolische Entschädigung der Unternehmen für kostenlos oder billige und verschleppte Arbeitskräfte nach Nazi-Deutschland. Heute will AUG.PRIEN von den italienischen Militärinternierten nichts mehr wissen. Wenigstens reagiert das Unternehmen seit Jahren mit ignorieren auf Anschreiben zu und von ihnen.
Von den fast 1.900 IMIs in 67 Harburger Firmen lebten ein Drittel, genau 643, in den drei Lagern der Baufirma AUG.PRIEN. Das waren die Lager „Dessauer Ufer“, „Brunnenthal“ und „Schützenpark“ verteilt.











Von den ersten italienischen Militärinternierte, die ab Ende September 1943 vom Kriersgefangenen-Stammlager nach Hamburg kamen, wurden 150 gleich vom Harburger Bauunternehmen eingesetzt worden. Ab Herbst 1943 wurden im oberen Teil des Lagers am Falkenbergsweg In Neugraben etwa 500 IMIs untergebracht.

Es bekam u.a. die Aufträge für den Bau von Zwangsarbeitslagern wie z.B. der Phoenix AG in Harburg, aber auch für andere Lager. Seit 1941 hatte es eine Niederlassung in Poznan/Polen. Auch folgte AUG. PRIEN der deutschen Wehrmacht nach Norwegen, um von den Bauaufträgen zu profitieren wie die anderen Harburger Bauunternehmen. Es ist zu vermuten, das AUG. PRIEN auch hier Zwangsarbeiter für seine Bauprojekte einsetzte.
Die italienischen Militärinternierten wurden unter anderem beim Bau der Behelfsheimsiedlung Neugraben eingesetzt. Sie dienten als Ersatzwohnraum für ausgebombte Hamburger. Die Firma Prien war als Generalunternehmer im Auftrag der „Deutschen Wohnungsbaugesellschaft m.b.H. Harburg“ tätig. Ob dem Unternehmen die NSDAP-Mitgliedschaft von August Prien jun. dabei half, kann man nur spekulieren. Beim Bau der Behelfsheime waren auch die Harburger Baufirmen Malo, Gizzi und Weseloh beteiligt. Über eine „Baukantine“ wurden im März 1944 „ca.200 deutsche und freie ausländische Arbeiter und 450 italienische Militärinternierte“ mit „Warmverpflegung“ versorgt.

Als die im KZ-Auschwitz als noch arbeitsfähig selektierten 500 Frauen, über die Zwischenstation Dessauer Ufer, im September 1944 in den Außenlager Falkenbergsweg, des mit Zäunen und Stacheldraht gesicherten KZ-Außenlagers, untergebracht waren, arbeiteten sie zeitweilig und arbeitsteilig mit italienischen Militärinternierten zusammen. Der Bauleiter der Siedlung Falkenbergsweg erinnerte sich daran: „Im Sommer 1944 mussten zur Arbeitsleistung ca. 450 weibliche jüdische KZ-Häftlingen übernommen werden. Von der Bauleitung wurden diese der Fa. Aug.Prien zugeteilt.“ Die ehemalige KZ-Insassin, Lotte Turbowicz, erinnerte sich, dass die Fenster für die Behelfsheimen von italienischen Kriegsgefangenen eingesetzt wurden. In welchem Lager die IMI, die zu Arbeitseinsätzen in Neugraben abgestellt waren, in der Zeit von September 1944 bis zur Befreiung Hamburgs, Anfang Mai 1945, untergebracht waren lässt sich zur Zeit nicht genau feststellen. Im Dezember 1944 wurden IMI aus dem Lager Falkenberg ins Lager des Tempo-Werks der Firma Vidal & Sohn, Am Radeland 125, umquartiert. Diese Einzelbeispiele geben nur einen kleinen Einblick in die Verlegungen von Zwangsarbeitern zwischen einzelnen Lagern und Firmen im Zeitraum zwischen 1943 und 1945.
Unter den IMI von AUG. PRIEN gab es die viele Opfer, vor allem im Ergebnis von Bombenabwürfen. Das spricht für die nicht gewährleisten Schutzunterkünfte.



Cosimo Guinta, ein IMI von AUG. PRIEN wurde im Zwangsarbeitslager am Falkenbergsweg erschossen. Als Cosimo Guinta mit angeblich gestohlenen Lebensmitteln erwischt worden sein, zog der Lagerführer Richard Bagunk seine Dienstwaffe und erschoss ihn.
