Auch Strom- und Hafenbau setzte ab September 1943 italienische Militärinternierte als Zwangsarbeiter an verschiedenen Standorten im Hamburger Hafen ein. Bereits vorher war die Beschäftigung von Zwangsarbeiter:innen aus anderen Ländern bei Strom- und Hafen der Fall. Allerdings hatte sich die Lage 1943 grundlegend geändert. Nach Moskau und Stalingrad war es zur militärischen Wende gekommen. Auch bei Strom- und Hafenbau machte sich der Abzug deutscher Beschäftigte bemerkbar: Waren 1940 noch 1.800 Beschäftigte bei der Behörde, waren es zwei Jahre später nur noch 700 deutsche Arbeitskräfte. Um diese „Personalverlust“ zu kompensieren, wurde die Abläufe neu organisiert, ohne den Einsatz von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter ging nix mehr.
Zwangsarbeiter bei Strom- und Hafenbau
Exemplarisch wird diese Lage für das Amt in einem Schreiben vom 27. September 1944 vom Verwaltungsleiter für Handel, Schiffahrt und Gewerbe sichtbar. Für den Industrieblock Hafen wurde durch den NSDAP-Gauleiter für Hamburg angeordnet, „alle Betriebe des Hafenblocks darauf hinzusehen, ob noch Gefolgschaftsmitglieder … der Wehrmacht zur Verfügung stellt werden können. Für die Sparte Strom- und Hafenbau ist nunmehr festgestellt worden, dass hier … rund 85 Gefolgschaftsmitglieder der Wehrmacht zur Verfügung gestellt werden können, wenn für diese Kräfte Ersatz angelernt wird. … Bei Strom- und Hafenbau sind z.Zt. ca 300 Arbeitsstellen frei, von denen allerdings 150 für die Einstellung der freien Italiener in Anspruch genommen werden müssen.“ Er habe sich bereits mit dem Arbeitsamt in Verbindung gesetzt. Aber eine „Vermehrung des Personalstandes würde nicht stattfinden.“ Und wenn es deutsche Personal gäbe sollten, so schreibt der Verwaltungsleiter weiter, würde es sich um Personen handeln, die der Wehrmacht zur Verfügung gestellt werden müssten.
Über die Beschäftigung italienischer Militärinternierter bei Strom- und Hafenbau
Über den Einsatz von italienischen Militärinterniert bei Strom- und Hafenbau gibt es mehrere Belege (wie auch Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus anderen Ländern). So eine Mitteilung an das Arbeitsamt Hamburg, dass im August 1944 um die Namen der im Unternehmen im Einsatz befindlichen italienischen Militärinternierten gebeten hatte. Nach diesen Unterlagen setzte zum September 1944 die Behörde 118 italienische IMIs ein. Die IMI waren alle im Lagerhaus F am Dessauer Ufer untergebracht worden.
Schluisgrove
Einer der Standorte war das Materiallager S(ch)luisgrove, hier waren nach Unternehmensangaben acht IMIs.

Zimmerplatz Lübecker Ufer
Hier beschäftigte Strom- und Hafenbau im September 1944 nach Unternehmensangaben 27 IMIs.

Hierbei handelte es sich die Schmiede und Schlosserei, die für alle der 230 eisernen Pontons, 169 Schwimmkränen, 95 Brücken und 140 hölzernen Wasertreppen und – Schlengel die anfallenden Reparaturarbeiten ausführte musste.
Baubüro Ellerholz
Hier beschäftigte Strom- und Hafenbau ab September 1944 nach Unternehmensangaben 12 IMIs. Wo dieses Baubüro war, ist nicht geklärt.

Baubüro Hansabrücke:
Hier wurden 26 IMIs beschäftigt. Wo dieses Baubüro genau war, ist nicht geklärt.

Baubüro Altona
Hier wurden nach Unternehmensangaben neun IMIs beschäftigt. Wo dieser Ort genau war, ist ungeklärt.

Baubüro Grasbrook
In der Werkküche auf dem Gr. Grasbrook und bzw. dem Baubüro Grasbrook waren nach Unternehmensangaben 23 IMIs.

Schuppen 24
Im Schuppen 24 wurden nach Unternehmensangaben acht italienische Militärinternierte eingesetzt. Was hier für Arbeiten zu erledigen war, ist zurzeit nicht bekannt.

Voratslager H/W
Im Vorratslager W waren nach Unternehmensangaben drei IMIs beschäftigt. Um was es um „H“ oder „W“ handelt, ist nicht klar. Bei Strom-und Hafenbau gab es nachweislich ein „Vorratslager H“.
