IMI-Lager in Turnhalle auf dem Sportplatz an der (Max-Brauer-)Allee

In der Turnhalle auf dem Sportplatz an (Max-Brauer-)Allee in Hamburg-Altona plante die Baubehörde am Oktober 1943, ein Lager für 100 italienische Militärinternierte einzurichten.

Die Turnhalle an der damalige Jahnstraße 6 (heute Goldbachstraße) gehörte dem Altonaer Sportverein von 1880 (AT 1880) und wurde 1897 erbaut. In diesem Jahr wurde das Gelände gekauft und mit dem Bau begonnen. Die Halle hatte eine Grundfläche von 303 qm. Im 1. Stock wurde eingroßer Versammlungsraum und weitere Räume eingerichtet. Die Claudiusstraße wurde in Jahnstraße umbenannt. Heute heißt sie Goldbachstraße.

Der AT 1880 fusionierte 1937 mit Eisenbahn Sportverein von 1922. Heute handelt es sich heute um den Sportverein Eidelstedt von 1880 (SVE). Die Turnhalle war in Teilen im 2. Weltkrieg zerstört und in den 1950er Jahren abgerissen worden.

Quelle: 150 Jahre Turnen in Altona – Chronik des ATV von 1845 e.V. Seite 135

Das damals zuständige Amt für kriegswichtigen Einsatz (AkE) in der Baubehörde, die die gesamte Lagerplanung in Hamburg verantwortete, führte im monatlichen Bericht zu den Lagerplätzen in Hamburg für November 1943 eine Zahl von 100 Belegeinheiten für die „Turnhalle auf dem Sportplatz an der Graf-Bose-Straße“ auf.

Es gibt weitere Notizen aus dem November 1943, die davon sprechen, dass das entsprechende Material für die Holzbetten zur Verfügung gestellt wurde. Der Auftrag für die Gemeinschaftslager wurde über die DAF ausgeführt, die dafür die entsprechenden Arbeitskräfte einsetze.

Hintergrund für die Planungen in Hamburg, Zwangsarbeitslager zu bauen, waren die Ansage vom Hamburger NSDAP-Chef, Karl Kaufman, aus Anfang September 1943, dass er 20.000 italienische Soldaten nach Hamburg holen will. Darauf hin wurde der Bedarf durch die AkE umgesetzt.

In den späteren Monats-Berichten des AkE wurden allerdings die Belegung der Turnhalle mit italienischen Militärinternierten ab 1943 nicht mehr aufgeführt. Es ist durchaus vorstellbar, dass die geschaffenen Kapazitäten nicht genutzt wurden. Bis Dezember 1943 waren rund 9.000 IMI in Hamburg.

Da die Belegung der Lager von Oktober 1943 bis August 1944 von der Wehrmacht verantwortet wurde, gibt es dazu in den öffentlichen Einrichtungen wie Staatsarchiv Hamburg keine Unterlagen. Mögliche Belege sind nur im Einzelfall im Bundesarchiv in Koblenz an Hand von Personalkarten zu finden.

Ein Jahr später, im Oktober 1944, wurde die ebenfalls auf dem Sportplatz befindliche Jugendherberge mit über 150 IMI als Zwangsarbeitslager genutzt.

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