Rede Bastian Satthoff auf der Kundgebung am 6. September 2024

Das Projekt „Von einem Ort des Jubels zu einem Ort des Unrechts. Zwangsarbeitslager auf Fußball- und Sportplätzen“ forscht zu ehemaligen Fußball- und Sportplätzen, die in der Zeit des Nationalsozialismus zu Lagerstandorten wurden. Bastian Satthoff sprach auf der Kundgebung am 6. September 2024. Hier seine Rede:

Wir sind ein Projektteam der Gedenkstätten Augustaschacht und Gestapokeller, dass sich mit NS-Zwangsarbeitslagern auf ehemaligen oder heutigen Sportplätzen wie eben dem hier vom SC Teutonia befasst. Für die Transparenz sei erwähnt, dass wir im Rahmen der Bildungsagenda NS-Unrecht von der eben bereits erwähnten Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft und dem Bundesministerium der Finanzen gefördert werden. 

Zum Themenkomplex Zwangsarbeit: Zwangsarbeit gab es sowohl während als auch vor dem Zweiten Weltkrieg. Vor dem Zweiten Weltkrieg wurden Menschen zur Zwangsarbeit herangezogen, die von den Nazis aus der von ihnen propagierten sogenannten Volksgemeinschaft ausgeschlossen wurden. Während des Zweiten Weltkriegs dann, im Zuge der deutschen Expansion, Menschen aus ganz Europa. Die Gruppe der Zwangsarbeitenden umfasste insgesamt 13 Millionen Menschen, das untergliedert sich wiederum in Untergruppierungen: Wenn wir die zivilen Zwangsarbeitenden betrachten, also aus besetzten Gebieten nach Deutschland transportierte Zivilist*innen, dann sprechen wir von 8,4 Millionen Menschen, das war die größte Gruppe. 4,6 Millionen Kriegsgefangene waren ebenfalls betroffen und 1,7 Millionen KZ-Gefangene. Zwischen den Gruppen der zivilen Zwangsarbeitenden wurde rassistisch unterschieden von den Nazis, das heißt westeuropäische Zwangsarbeitende wurden – man kann sagen besser behandelt. Sie haben individuelle Freiheiten genossen, die Menschen aus Osteuropa verweigert wurden. Diese Menschen aus Osteuropa wurden in den Zwangsarbeitslagern eingesperrt, sie durften diese nur zum Arbeiten verlassen und sie waren rassistischen Sondergesetzen unterworfen, das heißt sie durften beispielsweise den Öffentlichen Personennahverkehr nicht benutzen.

Allen Zwangsarbeiten war jedoch gemein, dass sie natürlich auf ihr Arbeitsverhältnis keinen Einfluss hatten, das heißt sie haben sich die Arbeit nicht ausgesucht, sie konnten die Arbeit auch nicht kündigen. Die Italienischen Militärinternierten, das wurde eben schon erwähnt, die standen so ein bisschen zwischen den Stühlen. Von der einen Seite wurden sie als Faschisten diffamiert, wegen der italienischen Bündnispolitik vor 1943, und für viele Deutsche galten sie als Verräter eben wegen des Waffenstillstands 1943 mit den Alliierten.

Wir als Projektteam befassen uns mit diesen Zwangsarbeitslagern auf Sportplätzen und an diesen vielen verschiedenen Orten – wir haben in Deutschland und Österreich über 180 solcher Standorte identifizieren können – in diesen 180 Lagern waren sämtliche Gruppen von Zwangsarbeitenden inhaftiert, wir haben hier ein Beispiel in dem Italienische Militärinternierte waren, alle anderen Gruppen kommen in den gesammelten Standorten auch vor und wir möchten ihnen erinnern und diese Standort auf einer digitalen, interaktiven Karte allen zugänglich machen. Diese Karte soll Ende des Jahres erscheinen und wir sind nach wie vor auf Mithilfe angewiesen. Das heißt wer Lust hat sich mit der Geschichte dieser Standorte zu befassen, kann gerne mit uns in Kontakt treten.

Hinterlasse einen Kommentar