Rede von Theo Bruns auf der Kundgebung am 6. September 2024

Ich möchte euch ganz herzlich im Namen der Fux Genossenschaft begrüßen. Ich bin Mitglied
der Geschichts-AG denkXmal der Genossenschaft, und … waren von der Idee dieser Gedenkveranstaltung begeistert.

Die 1878 erbaute ehemalige Viktoria-Kaserne, vor der wir heute versammelt sind, steht als
Militär- und Polizeistandort für die finstersten Kapitel der deutschen Geschichte. Freiwillige
des hier stationierten Militärs beteiligten sich an der Niederschlagung des sog.
Boxeraufstands in China, einem klassischen Kolonialkrieg. Im Ersten Weltkrieg nahm das 31.
Infanterieregiment Graf Bose am völkerrechtswidrigen Überfall auf das neutrale Belgien teil.

Nach der Novemberrevolution 1918 zog das Militär aus und die Polizei ein. Polizisten aus
dieser Kaserne wurden am Altonaer Blutsonntag am 17. Juli 1932 eingesetzt. Im Zweiten Weltkrieg waren Hamburger Polizisten vom Beginn an am Überfall auf Polen beteiligt.
Hamburger Polizeibataillone waren zentrale Akteure des Holocaust. Sie dienten als
Wachmannschaften in Ghettos, begleiteten die Deportationszüge in die Vernichtungslager
und führten einen zehntausendfachen Massenmord an Jüdinnen und Juden durch
Erschießungen durch. Polizeiregimenter begingen im Rahmen einer vorgeblichen
Partisanenbekämpfung schwerste Kriegsverbrechen in Weißrussland.

All diese Verbrechen blieben nach 1945 weitgehend ungesühnt. Vor dem Hintergrund dieser hochgradig belasteten Geschichte setzen wir uns als Genossenschaft für eine zivile und humanistische Konversion dieses Ortes ein. Mit
Ausstellungen und Veranstaltungen leisten wir konkrete Erinnerungsarbeit. Wir haben uns
auch vorgenommen, unsere Aufmerksamkeit auf den umgebenden Stadtteil auszudehnen.
Nur wenige hundert Meter von hier wurden die vier vom Altonaer Blutsonntag im
Gefängnishof des Amtsgerichts 1933 hingerichtet, der erste Justizmord des
Nationalsozialismus. Auf der Wiese der Mitte Altona erinnert eine Gedenktafel der GW
Ottensen an die Deportationen in das KZ Esterwegen vom Altonaer Bahnhof aus. Seit vier Jahren beteiligen wir uns am 28. Oktober an den Veranstaltungen der evangelischen Kirche zum Gedenken an die polnischen Jüdinnen und Juden, die 1938 nach Polen abgeschoben und später zum großen Teil ermordet wurden. Ein Sammelpunkt für diese Abschiebung war die Turnhalle der Polizeikaserne in der heutigen Haubachstraße.

Dass hier auf dem Sportplatz 1944/45 ein Zwangsarbeiterlager für italienische Militärinternierte war, haben wir
durch die Projektgruppe IMI erfahren. Ihre Arbeit hat unser Wissen sehr bereichert.


Und noch eine Sache, die uns sicher alle bewegt: Gerade angesichts der aktuellen
Rechtsentwicklung und Normalisierung des Faschismus sind wir in der Verantwortung, stetig an die beispiellosen Verbrechen des Nationalsozialismus zu erinnern und uns gegen jede Form menschenverachtender Politik zu stellen. Nie wieder ist jetzt!

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