Stolperstein-Verlegung für drei italienische GHB-Arbeiter aus dem Hafen am 12. November 2024, 10 Uhr

Am 12. November 2024 verlegt Gunter Demnig um 10 Uhr drei Stolpersteine für Beschäftigte des GHB vor der Lagerhaus G am Dessauer Ufer. Sie erinnern künftig die italienischen Militärinternierten in der NS-Zeit:

Aquilino Spozio, Erminio Fuzz und Luigi Fusi

Sie waren italienische Militärinternierte und kamen im Hamburger Hafen ums Leben. Als Zwangsarbeiter wurden sie vom GHB eingesetzt.

Ende September 1943 wurden tausende IMI aus dem Stalag XB in Sandbostel in Hamburger Hafen verschleppt und mussten im Lagerhaus G leben. Über den GHB, unter Bewachung der deutschen Wehrmacht, wurden sie zu den Arbeitskommandos in den Hafenunternehmen gebracht.

Im September 1944 teilte der GHB dem Hamburger Arbeitsamt deren offiziellen Einstellung mit. Seit dem 1. September 1934 waren sie als sozialversicherungspflichtige Beschäftigte des GHB gemeldet.

Warum „Statuswechsel“ bei den IMI?

Anfang Dezember 1943 führte das Hamburger Arbeitsamt durch seinen Außendienst eine Überprüfung der Arbeitsstellen von den italienischen Militärinternierten durch.  Mit dem Vertreter des Arbeitsamtes hatte die Gauwirtschaftskammer bereits vorher gesprochen. Sie war der Auffassung, es sei einerlei, „in welcher Form die Italiener beschäftigt (würden), ihre Leistung sei so oder so weit unter Normal.“ Dennoch schrieb die GWK alle Betriebe an. Bis auf zwei sprachen sich alle angeschriebenen Betriebe gegen die Überführung in ein Zivilarbeiterverhältnis aus. 

Die Unternehmensleitung der Sternwoll-Spinnerei schrieb z.B. an die GWK am 14. Dezember 1943, das es zweifelhaft wäre, „ob der gewünschte Erfolg einer Leistungssteigerung bei einer Rückführung in das Zivilverhältnis sich einstellt, während mit Sicherheit die straffe militärische Führung eingebüßt wird.“

Vor dem Hintergrund der Ergebnisse der Hamburger Betriebsbefragung wandte sich Leiter der Hamburger Abteilung Industrie, Rudolf Blohm, im Januar 1944 an die Reichsgruppe Industrie in Berlin. Er bat darum, von dort Einfluss auf das zuständige Ministerium zu nehmen, damit die italienischen Militärinternierten in den Ernährungssätzen den Westarbeitern gleichgestellt würden und in den Genuss der vollen Schwerarbeiterzulage sowie Tabak- und gelegentlicher Sonderzulagen kämen. 

Zum 1. September 1944 wurde der Status der IMIs in Deutschland geändert. Nach Darstellung der Unternehmen, die sie einsetzen, wollte man eine bessere Arbeitsproduktivität der Gefangenen und bewachen italienischen Soldaten erreichen. Ihr Status wurde geändert in „zivile“ Italiener. Sie durften Deutschland nicht verlassen, aber die Bewachung durch die Wehrmacht wurde abgeschafft und damit das ganze Meldewesen, die Zählappelle u.a.m. Ihre prekäre Lage änderte sich aber nicht. 

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