ver.di ruft mit zur Kundgebung am 12. November 2024 vor Lagerhaus G um 17 Uhr auf

Am 12. November 2024 werden im Hamburger Hafen Stolpersteine für drei italienische Militärinternierte verlegt. Sie wurden während der NS-Zeit als Zwangsarbeiter in verschiedenen Hafenunternehmen eingesetzt.

Mit einer Kundgebung am Dienstag, den 12. November 2024, um 17:00 Uhr  vor dem Lagerhaus G am Dessauer Ufer, Kleiner Grasbrook, werden die drei Stolpersteine der Öffentlichkeit übergeben.

Aquilino Spozio, Erminio Fusa und Luigi Fusi starben  im Hamburger Hafen. Sie wurden als Zwangsarbeiter über den GHB bei Hafenunternehmen eingesetzt. Als italienische Soldaten wurden sie nach der Verkündung des Waffenstillstands zwischen Italien und den Alliierten am 8. September 1943 von der Wehrmacht gefangen genommen. Vor die Entscheidung gestellt, weiterhin an deutscher Seite im Zweiten Weltkrieg zu kämpfen, verweigerten rund 650.000 italienische Soldaten die Zusammenarbeit mit dem NS-Regime. Daraufhin wurden sie nach Deutschland verschleppt und als sogenannte italienische Militiärinternierte (IMI) bezeichnet. 50.000 dieser Männer, die „Nein gesagt“ hatten, überlebten ihre Gefangennahme bzw. die Gefangenschaft nicht.

Der 1935 von den Nationalsozialisten gegründete GHB setzte ab 1940 tausende Zwangsarbeiter:innen aus ganz Europa im Hafen ein. Er war für die Verteilung der Arbeitskräfte an die Hafenunternehmen verantwortlich. Zudem gab es Zwangsarbeiter:innen, die in Hafenfirmen arbeiten mussten, die nicht zum GHB gehörten, etwa in Werften, Stahlwerken oder bei Strom- und Hafenbau (heute HPA). Der GHB unterhielt von 1940 bis 1945 insgesamt 19 Zwangsarbeitslager im gesamten Stadtgebiet. Zwischen 60 und 70 Prozent der Hafenarbeiter:innen in der Kriegszeit waren Zwangsarbeiter:innen. Ohne sie hätte in Hamburg nichts funktioniert – eine bis heute weitgehend verdrängte Perspektive auf die Geschichte des Hafens.

Ende September 1943 wurden tausende italienische Militärinternierte aus dem Stalag XB in Sandbostel in den Hamburger Hafen verschleppt, Sie wurden in drei Lagerhäusern an der Dessauer Straße untergebracht. Über den GHB und unter Bewachung der Wehrmacht wurden sie auf Arbeitskommandos auf Hafenunternehmen verteilt. Am 1. September 1944 „beschäftigte“ der GHB 800 Italiener, die im Lagerhaus G untergebracht waren.

NS-Zwangsarbeit war eines der öffentlichsten NS-Verbrechen. Die Zwangsarbeiter:innen waren auf der Straße und in Betrieben für alle sichtbar. Das war im Hafen nicht anders.

In Deutschland wirken extrem rechte Kräfte, die auf Entsolidarisierung und Spaltung in Gesellschaft und Arbeitsleben setzen. Sie schüren Hass und Hetze. In der maritimen Wirtschaft arbeiten Menschen aus der ganzen Welt, mit und ohne deutschen Pass. Viele dieser Menschen sind hier aufgewachsen, haben die Schule besucht, arbeiten, Familien gegründet und zahlen Steuern. Unsere Solidarität ist unteilbar. 

Mit den Stolpersteinen vor dem Lagerhaus G am Dessauer Ufer wird künftig der italienischen Militärinternierten Aquilino Spozio, Erminio Fusa sowie Luigi Fusi und ihres „Nein“ zur Kollaboration mit den Nationalsozialisten gedacht.

Es ist ein weiterer Schritt, um im Hamburger Hafen neue Gedenkorte zu schaffen.

ver.di Hamburg, Projektgruppe italienische Militärinternierte Hamburg

Hier der Aufruf als pdf

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