Rede von Anna Maria Sambuco (ANEI) am 5. September 2025

Ich begrüße allen Anwesenden und bedanke mich für Ihr Kommen.

Wir, die ANEI, die Nationale Vereinigung der ehemaligen Militärinternierten, freuen uns sehr hier in Hamburg zu sein, und heute gemeinsam diese Gedenktafel einzuweihen.

Für uns, von der ANEI ist es überaus wichtig an die Geschichte der über 650.000 italienischen Soldaten zu erinnern, die nach dem Waffenstillstands des 8. September 1943 zwischen Italien und den angloamerikanischen Streitkräften -als Italien und Deutschland von Verbündeten zu Feinden wurden- aufgrund ihrer Weigerung weiter an Seiten der Deutschen zu kämpfen in die Lager des Dritten Reiches deportiert wurden. Sie wurden von Hitler ihres Status als Kriegsgefangene beraubt, zu italienischen Militärinternierten erklärt und sofort versklavt, d.h. zur Zwangsarbeit eingesetzt. 

Heute stehen wir an einem Ort, der dem Sport und dem Gemeinschaftsleben gewidmet ist, wo zwischen 1943 und 1945 viele italienische Militärinternierte unter unmenschlichen Bedingungen untergebracht wurden. 

Auch hier, wie an vielen anderen Orten im Deutschland des Dritten Reiches, spielte sich ein schreckliches Kapitel der nationalsozialistischen und faschistischen Deportation ab.

Die IMI weigerten sich, der faschistischen Italienischen Sozialrepublik beizutreten und an der Seite der Deutschen zu kämpfen, obwohl ihnen bewusst war, dass diese Entscheidung Hunger, Mühsal, Gewalt, Demütigung oder sogar den Tod bedeuten würde. Ich erinnere daran, dass mehr als 50.000 dieser Männer ihre Gefangenschaft nicht überlebten. 

Ihr unbewaffneter Widerstand war eine der ersten großen Manifestationen moralischer und ziviler Distanzierung vom Nazifaschismus in Europa und macht diese Männer zu vollwertigen Mitgliedern des italienischen und europäischen Widerstands.

Am kommenden 20. September 2025, 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, würdigt Italien diese Soldatenerstmals für ihren „unbewaffneten Widerstand” durch die Einführung eines offiziellen Gedenktages, der vontiefgreifender historischer und moralischer Bedeutung ist: dem „Tag der italienischen Internierten in deutschen Konzentrationslagern während des Zweiten Weltkriegs”. 

Mit diesem Gedenktag bringen wir ihre Würde und ihren Beitrag zur Freiheit in Italien und Europa wieder ans Licht. 

Als nationale Präsidentin der ANEI verpflichte ich mich heute, die Erinnerung an das „Nein“ der vielen italienischen Soldaten an die neuen europäischen Generationen weiterzugeben, damit die moralische Lehre der italienischenMilitärinternierten lebendig bleibt. In einem historischen Moment wie dem, den wir gerade erleben, ist diese Erinnerung dringlicher denn je. Es ist unsere Pflicht, dafür zu sorgen, dass die Vergangenheit niemals vergessen wird, zur Vermeidung einer Wiederholung der Fehler.

Ich möchte nun meinen aufrichtigen Dank an unsere Freundeund Freundinnen in Hamburg richten, die sich seit Jahren mit Leidenschaft und Sorgfalt der Rekonstruktion der Geschichte der italienischen Militärinternierten widmen.

Ihre Arbeit ist von grundlegender Bedeutung für ein gemeinsames Gedächtnis all jener, die auf verschiedenen Seiten unter den Folgen des Krieges gelitten haben, und ein konkreter Beweis dafür, dass es uns unter Mühen, aber mit Bewusstsein gelungen ist, die Wunden der Geschichte in Brücken des Dialogs und gemeinsame Verantwortung zu verwandeln.

Mit dem Anbringen dieser Gedenktafel wollen wir diesen Soldaten ihre Würde zurückgeben und uns erneut von der nationalsozialistischen und faschistischen Ideologie distanzieren, die Millionen von Menschen das Leben gekostet hat. 

Diese Gedenktafel ist daher nicht nur die Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen, sondern gleichzeitig das Symbol einer gemeinsamen Erinnerung, die zum Friedensstifter wird, für die zukünftigen  Generationen, damit diese nicht der Gleichgültigkeit oder einer Verdrängung der Geschichte erliegen. 

Diese Gedenktafel ist nicht nur ein Gegenstand. 

Sie ist eine Stimme. Sie ist eine Mahnung. Sie ist eine Geste des Friedens.

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