Rede Anna Maria Sambuco am 8. September 2025

Sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank für Ihre Anwesenheit und Teilnahme an dieser Veranstaltung heute am 8. September, an dem wir an Jahrestag der Verkündung des italienischen Waffenstillstandes mit den Alliierten im Jahre 1943 erinnern. Ab diesem Tag waren Deutschland und Italien Feinde geworden, und mehr als 650.000 italienische Soldaten wurden – nach ihrer Gefangennahme durch die deutschen Truppen aufgrund ihrer Weigerung weiter an deutscher Seite zu kämpfen – in die Lager des dritten Reiches deportiert. Sie wurden ihres Status als Kriegsgefangene beraubt und zu Sklaven gemacht. 

Hitler unterschied sie von den anderen Kriegsgefangenen und erklärte sie zu Militärinternierten, kurz IMI. Sie wurden sofort zur Zwangsarbeit eingesetzt und wurden zu Sklaven der nationalsozialistischen Kriegsmaschinerie. Alle weigerten sich mit Würde, Mut und Widerstand, sich dem Nazifaschismus anzuschließen.

Aufgrund von Hunger, Krankheiten, Gewalt und Vernichtung kehrten 50.000 von ihnen nicht in ihre Heimat zurück. Viele derjenigen, die zurückkehrten, trugen einen stummen Schmerz mit sich, der von der offiziellen Geschichtsschreibung sehr lange ignoriert wurde. Ihnen gilt heute die dankbare Erinnerung Europas und unser Engagement für den Frieden.

Am kommenden 20. September 2025, 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, würdigt Italien diese Soldaten erstmals umfänglich für ihren „unbewaffneten Widerstand”, durch die Einführung eines Gedenktages von tiefgreifender historischer und moralischer Bedeutung: dem „Tag der italienischen Internierten in deutschen Konzentrationslagern während des Zweiten Weltkriegs”. 

Mit diesem Gedenktag bringen wir ihre Würde und ihren Beitrag zur Freiheit Europas wieder zum Vorschein. 

Die IMI sagten „Nein” zu Gewalt, Unterdrückung, zum Kompromiss mit dem Bösen.

Dieses „Nein“ ist heute zu einer universellen Botschaft des zivilen Widerstands, des Friedens und der individuellen Verantwortung geworden. 

Den 8.September heute in Hamburg zu begehen, und hierbei auch eine Gedenktafel vor einem der Unternehmen einzuweihen, in dem viele italienische Militätinternierte als Zwangsarbeiter eingesetzt waren, hat eine noch stärkere Bedeutung: Es ist ein Akt des gemeinsamen Gedenkens, der Versöhnung, aber vor allem des Aufbaus eines bewussten, gerechten und solidarischen Europas.

Das Gedenken an die italienischen Militärinternierten ist heute nicht nur eine Pflicht gegenüber der Vergangenheit.

Es ist eine Verpflichtung gegenüber der Zukunft.

Eine Zukunft, in der Erinnerung zu Bildung wird und in der Kunst, Kultur und Geschichte zu Instrumenten der Friedensförderung werden.

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