Jarrestraße 52/58 – ein Ort der NS-Zwangsarbeit in der Jarrestadt: Die Wäscherei Wilhelm Wulff

Die  Häuser in der Jarrestraße 52 – 58 gehörten seit 1940 dem Wäscherei Wulff. Ab 1941 wurde im Hinterhof der 52 die Hamburger Berufskleidung Wäscherei (Ha-Be-Wä) und chemische Reinigung Wilhelm Wulf eingerichtet.

Es mag ein Zufall gewesen sein, dass  Wilhelm Wulff, der Inhaber des Unternehmens, im gleichen Jahr, am 5. Juli 1941, in die NSDAP eingetreten war. In seinem Betrieb in der Jarrestraße 52 (Hinterhaus) beschäftigte .Wulf von 1943 bis 1945 insgesamt 30 Zwangsarbeiterinnen aus den Niederlanden (22),Frankreich (1), Belgien (3) und Griechenland (4). Die deutsche Wehrmacht hatte ab 1940 Frankreich, die Niederlande und Belgien 1940 besetzt. 1941 wurde Griechenland überfallen.

Wulff hatte den Wäscherei-Betrieb ab 1931 aufgebaut. Er gab selber an, dass er zu dieser Zeit „Textil-Vertretungen“ hatte. Seinen vermutlich ersten eigenen Wäschereibetrieb hatte er 1935  in der Ifflandstraße 81 in Hohenfelde. 

Wilhelm Wulff will keine Entschädigung zahlen

Damals wie heute fällt es dem Unternehmen schwer, sich zur NS-Zwangsarbeit und der NS-Geschichte des damaligen Inhabers zu verhalten. Als es im Jahr 2000 um eine weltweite Regelung zu Entschädigung der Zwangsarbeiter in Deutschland (13 Mio.) bzw. der in den besetzten Ländern ausgebeuteten Zwangsarbeiter:innen (noch einmal 13 Mio.) vereinbart wurde,  fehlte der Namen der Wäscherei Wilhelm Wulff als „Stiftender„.

Insgesamt hatten damals 6.500 Unternehmen, der Bund und die Länder 5,2 Mrd. € in einen Fonds eingezahlt. Daraus wurden die Entschädigungsansprüche der ehemaligen Zwangsarbeitdenden symbolisch bezahlt.. 

Hunderte Zwangsarbeiter:innen gingen täglich durch die Jarrestraße

In der Jarrestraße befanden sich mehrere Betriebe und Lager, in denen Zwangsarbeiter:innen untergebracht waren oder arbeiten mussten. Von ihren Unterkünften gingen sie täglich zu ihren Arbeitsplätzen und kehrten abends zurück. Ihre Nachbar:innen sahen sie jeden Tag. Die Zwangsarbeit gehörte damit sichtbar zum Alltag im Stadtteil.

In der Jarrestraße 66 lag ein Standort der Stadtreinigung. Dort mussten zunächst französische Kriegsgefangene arbeiten; später wurden 18 italienische Militärinternierte (IMI)  eingesetzt. In der Jarrestraße 48/50 befand sich ein Lager des Bauunternehmens Friedrich Heidtmann mit französischen Zwangsarbeiter. Heidtmann setzte auf seinen Baustellen 24 italienische Militärinternierte ein. Das Metallunternehmen Otto Schilling aus der Jarrestraße 40/42 beschäftigte über 40 IMI. In der Jarrestraße 27 befand sich ein Zwangsarbeitslager von Heidenreich & Harbeck (U-Bahn Saarlandstraße). Dort lebten insgesamt 71 Menschen. Im Rüstungsbetrieb Kampnagel wurden mehr als 800 Menschen zur Zwangsarbeit eingesetzt, deren Lager befand sich am Poßmoorweg/Ecke Barmbeker Straße. Kampnagel beutete fast 500 sowjetische Menschen, über 150 IMI und Menschen aus anderen Ländern aus.

Wer waren die italienischen Militärinternierten?

Dabei handelte es sich um italienische Soldaten, die nach dem Waffenstillstand Italiens mit den Alliierten am 8. September 1943 von der deutschen Wehrmacht gefangen genommen wurden. Rund 830.000 italienische Soldaten gerieten in deutsche Gefangenschaft. Wer sich weigerte, weiter an der Seite Deutschlands Krieg zu führen, wurde zur Zwangsarbeit verschleppt. Etwa 650.000 Soldaten sagten „Nein“.

In Hamburg wurden zwischen Oktober 1943 und Mai 1945 etwa 20.000 italienische Militärinternierte in mehr als 600 Betrieben eingesetzt. Hitler ließ sie bewusst als „Militärinternierte“ einstufen, um ihnen den Schutz zu verweigern, den Kriegsgefangene nach dem Völkerrecht genossen.

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