Während des Rundgangs zu Orten der NS-Zwangsarbeit rund um den Goldbekhaus-Kanal und die Jarrestraße haben die Teilnehmenden eine Patenschaft für einen Stolperstein für Alexander Majorow übernommen.
Alexander Majorow wurde am 12. März 1945 im Krankenhaus Finkenau in Hamburg geboren. Seine Eltern waren Olga Majorowa, geboren am 25. Dezember 1923 in Migelow, und Viktor Majorow, geboren am 23. Februar 1924 in Leningrad. Aus ihrer Heimat verschleppt, mussten sie in Hamburg-Winterhude für die Maschinenfabrik Kampnagel AG Zwangsarbeit leisten. Sie waren im Lager Poßmoorweg 46 untergebracht.
Einen Tag vor der Geburt ihres Kindes wurde Olga Majorowa in die Frauenklinik Finkenau in Hamburg-Uhlenhorst aufgenommen. Zehn Tage, nach der Entbindung, kehrte sie am 21. März 1945 mit ihrem Sohn Alexander in das Lager im Poßmoorweg zurück, Fünf Tage später wurden beide im Allgemeinen Krankenhaus Langenhorn aufgenommen. Olga Majorowa wurde dort mit der Diagnose „Mastitis“ (Brustentzündung) behandelt. Alexander wurde in den Unterlagen als „Begleitkind“ aufgeführt.
Alexander starb dort am 8. April 1945 um 6 Uhr morgens. Als Todesursache wurde in der Todesanzeige des Krankenhauses „Ernährungsstörung“ angegeben. Alexander wurde nur vier Wochen und zwei Tage alt. Olga Majorowa verließ das Allgemeine Krankenhaus Langenhorn nach einem vierwöchigen Aufenthalt am 23. April 1945 wieder. Sie kehrte zurück ins Zwangsarbeitslager in den Poßmoorweg.
Marco Hosemann vom Jarrestadt-Archiv sagte dazu: „In der Jarrestadt liegen viele Stolpersteine vor den Häusern. Dass künftig einer hier im Zusammenhang mit den NS-Zwangsarbeiter:innen von Kampnagel verlegt wird, macht für mich die furchtbaren Folgen des NS-Regimes und unsere Verantwortung deutlich.“

Margot Lühr hat zu den „vergessenen Kindern“ von Zwangsarbeiterinnen in Hamburg recherchiert und 2020 dazu ein Gedenkbuch veröffentlicht. Die Namen von 418 Kindern, die während der Nazi-Diktatur in Hamburger Lagern und Krankenhäusern starben, fand die Hamburgerin bei ihrer akribischen Recherche im Rahmen der biografischen Forschungen zu den Stolpersteinen in Hamburg.
An vielen Orten in Hamburg wird jetzt mit Stolpersteinen an die Kinder erinnert, die hier in Hamburg während der NS-Zeit ums Leben kamen. Im Juli 2025 wurden im Bezirk Hamburg-Nord in Groß-Borstel in der Sportallee 30 Stolpersteine für die verstorbenen Kindern von Zwangsarbeiterinnen verlegt. 30 von 59 Kindern der Frauen starben hier in den ersten Lebenswochen und Monaten, die meisten an Unterernährung.
„Der Stolperstein für Alexander Majorow wird vermutlich erst im Frühjahr 2027 verlegt. Es wird aber unser Anliegen sein, dass es bereits bei der Planung einen Austausch unter den Interessierten gibt, damit die Erinnerung und die Verlegung gut ins Viertel kommuniziert werden können“, sagte Holger Artus von der „Projektgruppe italienische Militärinternierte Hamburg“.