Die Zeugenaussage von Alfons Holzhauser 1947 in Padua zum NS-Verbrecher Dierich in Italien

Am 11. Februar 1947 sagte Alfons Holzhauser vor einem britischen Militärgericht in Padua aus. Er war im August 1944 als Obergefreiter einer in Montebelluna stationierten Einheit zugeteilt worden, die unter dem Kommando von Fritz-Herbert Dierich stand. Dort befand sich zu diesem Zeitpunkt das Hauptquartier des Luftwaffen-Sicherungs-Regiments 36.

Angehörige der Einheit berichteten Holzhauser von schweren Gewalttaten Dierichs. Dieser rechtfertigte sein Vorgehen damit, dass Partisanen außerhalb jeglicher Menschenrechte stünden. Außerdem soll er die Devise ausgegeben haben: „Lieber zehn Unschuldige hängen, als einen Schuldigen unbestraft zu lassen.“

Holzhauser schilderte die Ereignisse in Pieve di Soligo Anfang September 1944. Große Teile des Ortes wurden niedergebrannt; den Einwohnern wurde nicht einmal gestattet, das Nötigste aus ihren Häusern mitzunehmen.

Er berichtete außerdem von Plünderungen und dem Raub italienischen Eigentums. Das Schloss von Montebelluna diente als Sammelstelle für die geraubten Güter. Diese wurden mit Lastwagen herbeigeschafft und anschließend in verschlossenen Eisenbahnwaggons unter Aufsicht von Vertrauenspersonen Dierich nach Deutschland transportiert.

Deutsche Soldaten waren bereits Anfang August 1944 mit Lastwagen in Pieve di Soligo eingerückt. Sie schossen auf Menschen, die zu fliehen versuchten, durchsuchten Häuser und raubten Lebensmittel, Geflügel und Vieh.

Im nahe gelegenen Ortsteil Soligo, der zur Gemeinde Farra di Soligo gehört, ermordeten deutsche Wehrmachtssoldaten acht Einwohner.

Nach den Kämpfen und Zerstörungen in der Umgebung wurden zwei Partisanen der Brigade Mazzini, Fornasiero und Tempesta, gefangen genommen und misshandelt. Am Morgen des 5. September 1944 wurden sie

Holzhauser berichtete auch über die sogenannte „Operation Piave“, die am 20. September 1944 am Monte Grappa begann. Im Zuge dieser Operation gingen deutsche Truppen gegen Partisanen und die Bevölkerung der umliegenden Gemeinden vor. Hunderte Menschen wurden erschossen oder gefangen genommen. In Quero, wo sich ab September 1944 das Hauptquartier des Luftwaffen-Sicherungs-Regiments 36 befand, wurden Gefangene zum Tode verurteilt. Weitere Gefangene wurden von Angehörigen faschistischer Verbände der Italienischen Sozialrepublik (RSI) ermordet.

Zu den von Holzhauser geschilderten Verbrechen gehörte auch die grundlose Erschießung dreier gefangener australischer Soldaten. Sie hatten versucht, in die Schweiz zu fliehen, waren jedoch auf der Straße zwischen Quero und Feltre gefasst worden.

Ab Oktober 1944 steuerte Dierich von seinem neuen Hauptquartier in der Villa Gaggia in Belluno aus weitere Gewalt- und Plünderungsaktionen. Diese wurden als „Rapina di Belluno“ bezeichnet, was sich mit „Plünderung von Belluno“ übersetzen lässt. Motorisierte deutsche Trupps fuhren in die Dörfer und verübten dort Überfälle. Dabei wurden Menschen bedroht, Eigentum geraubt und weitere Gewalttaten begangen.

Fotografien aus dem Oktober 1944 zeigen Dierich gemeinsam mit SS-General Karl Wolff vor und in der Villa Gaggia. Wolff trat Jahrzehnte später auch im Zusammenhang mit den gefälschten Hitler-Tagebüchern auf, die der Stern 1983 veröffentlichte.

Fritz-Herbert Dierich und Karl Wolff vor beziehungsweise in der Villa Gaggia

Wer war Alfons Holzhauser?

Alfons Holzhauser war ein deutscher Soldat der Wehrmacht. Er wurde am 17. April 1917 in Breslau geboren und am 1. Dezember 1942 zum Obergefreiten befördert.

Aus den bislang ausgewerteten Dokumenten geht hervor, dass er 1941/42 an den Kämpfen im Raum Moskau beteiligt war. Die deutsche Offensive auf Moskau scheiterte; die sowjetische Gegenoffensive zwang die Wehrmacht zum Rückzug und markierte eine entscheidende Wende im Krieg an der Ostfront.

Im August 1944 wurde Holzhauser einer Einheit unter dem Kommando von Fritz-Herbert Dierich zugeteilt, die in Montebelluna stationiert war. Im April 1945 befand er sich im Raum Fiume, dem heutigen Rijeka.

Bekannt wurde Holzhauser vor allem durch seine Zeugenaussage vor dem britischen Militärgericht in Padua am 11. Februar 1947. Seine Angaben betrafen die Verbrechen deutscher Truppen in Norditalien, insbesondere die Gewalt gegen die Zivilbevölkerung und die Partisanen im Raum Monte Grappa, sowie die Rolle des damaligen Kommandeurs Fritz-Herbert Dierich.

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