Für Danilo Pezzo wurde am 29. Mai 2026 in Valdiporro, einem Ortsteil von Bosco Chiesanuova in Italien, ein Stolperstein verlegt. Mehr als 100 Menschen nahmen an der Gedenkveranstaltung teil. Unter ihnen waren auch Schüler:innen der örtlichen Schule und deren Schulleiter, Alessio Perpoli.
Der Bürgermeister von Bosco Chiesanuova, Claudio Melotti, erklärte: „Wir gedenken Danilo, eines Jungen aus unserer Gemeinde, dem durch Krieg und Barbarei die Chance verwehrt wurde, seine Jugend zu genießen und nach Hause zurückzukehren. Wir tun dies im Beisein seiner Familie, seiner Schüler und der gesamten Gemeinde, damit sein Opfer auch künftige Generationen erreichen kann.“

Verhaftung und Deportation nach Bozen
Danilo Pezzo wurde am 26. Juni 1926 geboren. Seine Eltern, Luigi und Ester Pezzo, hatten acht Kinder. Zum Zeitpunkt seiner Verhaftung am 11. Juli 1944 war Danilo gerade 18 Jahre alt.
Während einer Razzia wurden er und Giuseppe Cosma Beccherle von der in Bosco Chiesanuova stationierten Republikanischen Nationalgarde verhaftet. Beide gehörten der Partisanenbrigade Pierobon (Brigata Pierobon) an, die im Hinterland des von der deutschen Wehrmacht besetzten Italiens operierte. Mit sogenannten „Durchkämmungsaktionen“ versuchten die Besatzungsmacht und ihre Verbündeten, den Widerstand zu brechen.
Danilo, Giuseppe und weitere Gefangene wurden in das damalige Durchgangslager Bozen gebracht. Bis Juli 1944 war das Lager noch als sogenanntes Arbeitserziehungslager mit rund 150 festgehaltenen Menschen geführt worden.
Nach ihrer Ankunft wurden die Gefangenen registriert und mit der Bozener Lageruniform – in Weiß oder Blau – eingekleidet. Nichtpolitische Gefangene wurden zur Zwangsarbeit eingesetzt, während politische Häftlinge in den Block E kamen.

Die Transporte aus Bozen in die deutschen Konzentrationslager
Vom 5. August 1944 bis zum 22. März 1945 fanden 13 Transporte aus dem Durchgangslager Bozen in deutsche Konzentrationslager statt. Sie verteilten sich wie folgt:
- KZ Mauthausen: fünf Transporte (5. August 1944, 20. November 1944, 14. Dezember 1944, 8. Januar 1945 und 1. Februar 1945)
- KZ Flossenbürg: drei Transporte (5. September 1944, 14. Dezember 1944 und 19. Januar 1945)
- KZ Dachau: zwei Transporte (5. Oktober 1944 und 22. März 1945)
- KZ Ravensbrück: zwei Transporte (5. Oktober 1944 und 14. Dezember 1944)
- KZ Auschwitz: ein Transport (24. Oktober 1944)
Giuseppe Beccherle und Danilo Pezzo wurden am 5. Oktober 1944 in das KZ Dachau deportiert. Von dort wurde Giuseppe am 13. Dezember 1944 in das KZ Buchenwald weitertransportiert.
Danilo gehörte zu den rund 400 Italienern, die am 22. Oktober 1944 in das KZ Neuengamme deportiert wurden. Insgesamt wurden an diesem Tag etwa 2.000 KZ-Häftlinge von Dachau nach Neuengamme verschleppt. Von Neuengamme aus wurden viele von ihnen in Außenlager des Konzentrationslagersystems weitertransportiert.

Welches Außenlager war Danilo Pezzos letzter Haftort?
Bislang lässt sich nicht genau feststellen, in welches Außenlager des KZ Neuengamme Danilo Pezzo gebracht wurde.
Ein möglicher Anhaltspunkt sind die Häftlingsnummern. Wenn man davon ausgeht, dass die Gefangenen aus dem Transport von Dachau gruppenweise und in zeitlicher Nähe auf verschiedene Außenlager verteilt wurden, könnte Danilo Pezzo (Häftlingsnummer 62813) in das Außenlager Husum-Schwesing oder Ladelund gekommen sein.
So befanden sich beispielsweise Franco Penco (Häftlingsnummer 62805) und Rudolf Petzmann (Häftlingsnummer 62811), die ebenfalls mit dem Transport aus Dachau nach Neuengamme gekommen waren, im Außenlager Ladelund.
Das Außenlager Ladelund wurde Mitte Dezember 1944 aufgelöst. Die dort noch lebenden Häftlinge wurden in andere Lager überstellt. Für Danilo Pezzo kommt daher auch eine spätere Verlegung in eines der Hamburger Außenlager, etwa an das Dessauer Ufer oder in die Spaldingstraße, infrage, in denen Häftlinge unter anderem zur Trümmerbeseitigung eingesetzt wurden.
Danilo Pezzo starb im KZ Neuengamme
Danilo Pezzo starb am 28. Februar 1945 im KZ Neuengamme. Giuseppe Beccherle überlebte die Deportation ebenfalls nicht. Er starb am 21. Januar 1945 im Außenlager Ohrdruf des KZ Buchenwald.
