Über 80 Teilnehmende nahmen an den beiden Veranstaltungen am 28. und 29. Oktober 2026 im Italienische Kulturinstitut und dem Gedenkort Stadthaus Teil. Aus verschiedenen Perspektiven wurden die Ereignisse am Monte Grappa Ende September 1944 behandelt.


Dr. Carlo Gentile sprach zu den deutschen NS-Tätern und dem Umgang in Deutschland nach 1945. Er stellte verschiedene Wehrmacht-Offiziere vor, die Kriegsverbrechen begangen hatten, in Italien in Abwesenheit verurteilt, in Deutschland nicht dafür verurteilt wurden. Dr. Sonia Residori aus Italien sprach am 29. Oktober 2026 über die Massaker am Monte Grappa Ende Septembern 1944. Sie sprach über die Wehrmacht „Operation Piave“, vor allem aber über die NS-Verbrechen und die Betroffenen. Susanne Wald sprach zu den 1.200 Italiener:innen, die ab Oktober 1943 ins KZ Neuengamme verschleppt wurden. Viele verloren hier oder den Außenlagern ihr Leben. Sebastiano Ziliotto aus Crespano del Grappa war einer der italienischen KZ-Opfer in Neuengamme.




An der Veranstaltung in der Bibliothek im Italienische Kulturinstitut am 28. Oktober 2027?nahmen 50, an der am 29. Oktober 2026 im Gedenkort Stadthaus 30 Personen teil.
Holger Artus von der „Projektgruppe italienische Militärinterniert Hamburg“ äußerte sich sehr zufrieden mit den beiden Veranstaltungen. „Mit den 80 Teilnehmenden bewegen wir uns leicht über unseren Erwartungen. Unsere Aktivität hatten wir mit den demokratischen Kräften in Bassano del Grappa, Pederoba und anderen Orten am Monte Grappa abgestimmt. Ihre Einbindung und Beteiligung in Hamburg ist eines unsere Ziele.“
Weiter meinte er, dass „unser Motiv, natürlich die Erinnerung an den Wehrmacht-Deserteur, Justus Friedrichs aus Hamburg nach über 80 Jahren ist. Er war einer der NS-Opfer am Monte Grappa Ende September 1944. Ohne die Erinnerung an die vielen hundert Opfer damals in den verschiedenen Orten, die in die KZ Verschleppten, die anderen Deserteure oder Alliierten Soldaten, wäre es aber eine falsche Erzählung. Es waren deutsche NS-Täter in Italien und die italienischen Faschisten, die furchtbare Verbrechen verübten. Italiens Befreiung konnten sie trotz ihrer Massaker nicht verhindern.“
Nach der Kundgebung am Deserteurs-Denkmal am 23. September 2026, den beiden Veranstaltungen am 28. und 29. Oktober 2026 kommt noch die Stolperstein-Verlegung 2027 in der Sentastraße 48. „Hiermit wollen wir uns an die heutige Nachbarschaft wenden. Mit bisher über 100 Teilnehmende liegen wir über den erhofften Zielen. Wir arbeiten eher in einem Nischenbereich der Erinnerungsarbeit in Hamburg. Dazu kommt, dass bis heute in Teilen der Erinnerungsbewegung ein ablehnender Blick auf die italienischen NS-Opfer besteht. Das hat mit Unwissenheit zu tun, aber auch einer teilweise verzerrten Grunderzählung.“