In der Schule Forsmannstraße befand sich während der NS-Zeit ein Lager für Zwangsarbeitende. Die dort untergebrachten Menschen waren aus ihrer Heimat verschleppt worden. Um die Dimension der NS-Zwangsarbeit in Hamburg zu verdeutlichen: Zwischen 1939 und 1945 wurden schätzungsweise rund 500.000 Menschen aus anderen Ländern in Hamburg zur Zwangsarbeit eingesetzt.
Was war das für ein Zwangsarbeitslager in der Schule Forsmannstraße?
In der Schule waren 350 italienische Militärinternierte (IMI) unter- gebracht. Dabei handelte es sich um italienische Soldaten, die nach dem Waffenstillstand der italienischen Regierung mit den Alliierten am 8. September 1943 von der deutschen Wehrmacht gefangen genommen wurden. Wer sich weigerte, weiter an der Seite Deutschlands zu kämpfen. Wer “Nein” sagte, wurde vor allem nach Deutschland verschleppt. Von den mehr als 800.000 gefangen genommenen italienischen Soldaten lehnten rund 650.000 eine weitere Zusammenarbeit mit dem nationalsozialistischen Deutschland ab. Hitler verweigerte ihnen den Status von Kriegsgefangenen und erklärte sie zu sogenannten „Militärinternierten“.
Am 29. September 1943 trafen die ersten rund 3.000 IMI in Hamburg ein. Zunächst wurden sie in einem großen Speicherschuppen im Hamburger Hafen untergebracht. Von dort aus verteilte man sie in den folgenden Wochen auf zahlreiche Zwangsarbeitslager im gesamten Stadtgebiet. Bereits am 10. September 1943 hatte die Hamburger Baubehörde mit der Planung entsprechender Lager begonnen. Da die Schulen nach den Sommerferien 1943 wegen der Kriegszerstörungen nicht wieder geöffnet wurden, dienten viele von ihnen als Unterkünfte für die IMI.
In den Klassenräumen wurden Holzstockbetten aufgebaut. Außerdem gab es Räume für die Lagerleitung und das Wehrmachtskommando. Täglich wurde die Anwesenheit der IMI von ihnen kontrolliert. Anschließend wurden sie von Wehrmachtssoldaten zu ihren jeweiligen Arbeitsstellen gebracht. Die Unternehmen hatten ihren Arbeitskräftebedarf zuvor beim Arbeitsamt angemeldet. Jeden Tag gingen hunderte von Zwangsarbeiter:innen durch die Straßenzüge, jeder hat es gesehen. Es war das offensichtlichste NS-Verbrechen
Ab Oktober 1943 waren 300 IMI in der Schule Forsmannstraße
Bereits im Oktober 1943 waren rund 300 IMI in der Schule Forsmannstraße untergebracht, im November warebn es bereits 350. Vermutlich mussten sie überwiegend in Betrieben der Bauwirtschaft arbeiten. Aus einem Schriftwechsel aus dem Jahr 1945 lässt sich außerdem schließen, dass eine größere Zahl von ihnen auch bei Blohm & Voss eingesetzt wurde. Der Rüstungskonzern hatte 100 Betten der in der Schule Forsmannstraße unterge- brachten Zwangsarbeiter zur Verfügung gestellt.
IMI wurden besonders schlecht behandelt, weil sie nach dem Waffenstillstand vom 8. September 1943 von der NS-Führung als „Verräter“ angesehen wurden. Bis zum Sturz Mussolinis waren das Deutsche Reich und Italien enge Verbündete gewesen. In Hamburg wurden rund 20.000 italienische Militärinternierte in mehr als 600 Betrieben zur Zwangsarbeit eingesetzt. Bis 1945 waren sie in 19 Hamburger Schulen untergebracht. Insgesamt gab es in Hamburg etwa 150 bis 160 Lager für italienische Militärinternierte.
Was geschah nach 1945 in der Schule Forsmannstraße?
Die britische Armee hatte bereits vor der Befreiung Hamburgs am 3. Mai 1945 ein eigenes Kommando mit Personal und technischen Ressourcen aufgebaut, das sich ausschließlich um die ehemaligen Zwangsarbeiter:innen kümmern sollte. Unmittelbar nach der Befreiung verschaffte sich dieses Kommando einen Überblick über die Situation. In Hamburg lebten damals noch rund 110.000 ehemalige Zwangsarbeiter:innen. Es ging nun darum, ihre Versorgung sicherzustellen – mit Lebensmitteln, medizinischer Betreuung, Kleidung und weiteren notwendigen Hilfen. Dafür wurden die bisherigen Lager neu organisiert. In der Schule Forsmannstraße waren nach Kriegsende ehemalige französische Zwangsarbeiter untergebracht. Am 1. April 1946 wurde die Schule wieder an die Hamburger Schulbehörde übergeben.
Rundgang zu Orten des NS-Zwangsarbeit am Goldbek-Kanal
Am 8. September 2026 beginnt um 16 Uhr ein Rundgang auf Höhe des Poßmoorweg 46 zu den Zwangsarbeiter:innen in der NS-Zeit in Winterhude. Wir starten am „Lager Poßmoorweg“, über den Moorfurthweg, die Forsmannstraße, die Semperstraße und zur Barmbeker Straße bis zu Kampnagel.
Es wird inhaltlich um die Zwangsarbeitslager am Poßmoorweg, dem Moorfurthweg, der Schule Forsmannstraße oder der Jarrestraße 27 gehen. Thema sollen auch die Unternehmen werden, die damals die Zwangsarbeitenden ausgebeutet hatten wie bei Schülke & Mayr (gibt es heute noch) im Moorfurthweg (heute Goldbek-Haus), bei Maihak (gibt es heute als Teil der Sick AG) in der Semperstraße 24/26, bei Hugo Pfohe (Ford) in der Barmbeker Straße 26/30 oder bei Kampnagel (gibt es nicht mehr) in der Jarrestraße.
Stationen des Rundgangs
| 16:00 | Poßmoorweg 46 |
| 16:25 | Moorfurthweg 2 und Goldbekhaus |
| 16:35 | Goldbek-Haus. Moorfurthweg 9 |
| 16:45 | Schule Forsmannstraße 32/34 |
| 17:05 | Semperstraße 26 |
| 17:25 | Barmbeker Straße 26 |
| 17:30 | Jarrestraße 27 |