8. September 2026, 17 Uhr Semperstraße 26 – 4. Station des Rundgang zu Orten der Zwangsarbeit am Goldbekhaus

Während der NS-Zeit beschäftigte das Unternehmen Maihak ab 1942 Zwangsarbeiter:innen. Die Menschen waren aus ihrer Heimat verschleppt worden, um hier in der Kriegsproduktion arbeiten zu müssen.

Links und rechts vom Goldbek-Kanal lebten fasten 1.500 Zwangsarbeiter:innen. In der NS-Zeit sind sie jeden Tag durch die Straßen zur Arbeit gebracht worden. Auf ihrer Arbeitskleidung waren sich sichtbar markiert. Niemand konnte sie übersehen. Es war das sichtbarste NS-Verbrechen für alle im Stadtteil..

Was geschah während der NS-Zeit bei Maihak?

Betrachtet man die Produkte, die Firmengründer Hugo Maihak entwickelte, wird deutlich, dass er ein sehr innovativer Unternehmer war. Maihak stellte Spezialarmaturen und Messgeräte für die Industrie her. 1939 zog die Maihak AG von der Geibelstraße in das heutige Gebäude in der Semperstraße. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs änderte sich jedoch der Unternehmenszweck grundlegend. Im Rahmen der Rüstungsproduktion fertigte Maihak unter anderem Zünder für Granaten und Torpedos.

Sowjetische Frauen als Zwangsarbeiterinnen bei Maihak

Ab Oktober 1942 beschäftigte Maihak 97 sowjetische Zwangsarbeiterinnen. Das Lager, in dem die Frauen leben mussten, befand sich auf dem Gelände zwischen Moorfurthweg und Poßmoorweg am Goldbekkanal in Höhe der Moorfurth- brücke. Während des Rundgangs möchten wir u.a. an Ganna Sentschik erinnern.

Sie wurde als 14-Jährige im Oktober 1942 aus dem ukrainischen Dorf Kal’nuk nach Deutschland verschleppt und musste bei Maihak arbeiten. Sie erinnerte sich später: „Wir gingen jeden Tag in einer Kolonne unter Bewachung von zwei Polizisten zur Fabrik. In einer Reihe gingen fünf Menschen.” Ab August 1943 wurden Teile der Produktion von Hamburg nach Pößneck in Thüringen verlagert.

Dort standen in der Saalfelder Straße die Produktionshallen des ehemaligen Tuchunternehmens Bernh. Siegel & Schütze leer. Rund 30 sowjetische Zwangsarbeiterinnen wurden zusammen mit der Produktion nach Pößneck gebracht.

Italienische Militärinternierte bei Maihak

Ende 1943 wurden 36 italienische Militärinternierte (IMI) in einem Zwangsarbeitslager in der Semperstraße 24/30 untergebracht. Zuvor hatten sie im Lager an der Opitzstraße gelebt. Bei den IMI handelte es sich um italienische Soldaten, die nach dem Waffenstillstand der italienischen Regierung mit den Alliierten am 8. September 1943 von der deutschen Wehrmacht gefangen genommen wurden. Wer sich weigerte, an der Seite Deutschlands weiterzu- kämpfen, wurde vor allem nach Deutschland verschleppt und dort zur Zwangsarbeit gezwungen.

Rundgang zu Orten des NS-Zwangsarbeit am Goldbek-Kanal

Am 8. September 2026 beginnt um 16 Uhr ein Rundgang auf Höhe des Poßmoorweg 46 zu den Zwangsarbeiter:innen in der NS-Zeit in Winterhude. Wir starten am „Lager Poßmoorweg“, über den Moorfurthweg, die Forsmannstraße, die Semperstraße und zur Barmbeker Straße bis zu Kampnagel.

Es wird inhaltlich um die Zwangsarbeitslager am Poßmoorweg, dem Moorfurthweg, der Schule Forsmannstraße oder der Jarrestraße 27 gehen. Thema sollen auch die Unternehmen werden, die damals die Zwangsarbeitenden ausgebeutet hatten wie bei Schülke & Mayr (gibt es heute noch) im Moorfurthweg (heute Goldbek-Haus), bei Maihak (gibt es heute als Teil der Sick AG) in der Semperstraße 24/26,  bei Hugo Pfohe (Ford) in der Barmbeker Straße 26/30 oder bei Kampnagel (gibt es nicht mehr) in der Jarrestraße.

Stationen des Rundgangs

16:00Poßmoorweg 46
16:25Moorfurthweg 2
16:35Goldbek-Haus. Moorfurthweg 9
16:45Schule Forsmannstraße 32/34
17:05Semperstraße 26
17:25Barmbeker Straße 26 
17:30Jarrestraße 27

Wir möchten hier unter anderem an Donato De Stefano und Maria Macik erinnern. Nach der Befreiung Hamburgs im Mai 1945 heirateten sie in unserer Stadt.

Wenn die Zeit ausreicht, werden wir außerdem über Walter Banier sprechen. Er war Konstrukteur bei Maihak und beteiligte sich am Widerstand gegen das NS-Regime.

Die Namen der italienischen Militärinternierten bei Maihak

VornameNamegeboren amin
1MarioBaroni08.09.1922Chiari
2ArturoBiasoli25.11.1908Adia
3EmilioBoccone06.12.1916Voltri
4FredericoCapuleto14.11.1923Pescocostanco
5AntonioCoro21.11.1915Resana
6StefanoCurti21.07.1923Trinita
7BrunoFaini24.05.1921Castiglione della Stiliere
8PasqualeFama02.05.1921Pizzo Calabra
9CarloMicucci12.02.1920Pioraco
10RomoloMosti21.04.1924Aquania
11AngeloVillano03.11.1924Trivolzio
12ArmandoAnniballi04.12.1916S.Giorgio deo Pesaro
13ElioBorsari19.11.1920Ronco Lerrara
14AntonioMoise01.11.1911Paesana
15FrancescoDi Pasquale16.02.1921Pescocostanco
16AbramoPiran08.09.1919Campodarsego
17RinaldoRuffini03.10.1921Tolentino
18BrunoSachetto04.10.1922Lonigo
19SebastinoPirari20.09.1917Nuoro
20VitoPittalla15.11.1922Centuripe
21FabrianoSivieri04.02.1921Ferrara
22SebastinoTripoli25.12.1923R. Calabria
23AchilleDe Capite26.12.1923Rivisandoli
24GiuseppeDoganieri11.09.1921Spinete
25VittorioMontico20.10.1913S.Vito al Tagliamento
26EmilioPolenghi11.09.1921Persico Dosi
27GiorgioPeroni22.07.1915Verona
28DomenicoPozzobon21.12.1914Cavasagra
29GinoPolato13.03.1914Camisano
30PasqualeDe Venere16.10.1918Basi
31ItaloDi Giammateo27.07.1923Lugo Marzi
32AngeloZardo17.03.1923Casrtello di Godego
33AlbertoFarulli13.02.1915S.Severo
34FioreDi Saverio20.05.1921Bisenti
35GiovanniCommunella24.09.1921Cusinati de Rosa
36GinoChiarello20.05.1908S. Giustina in Colle

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