In der Jarrestraße 27 war ein Zwangsarbeitslager von Heidenreich & Harbeck, das seine Hauptproduktion im Wiesendamm 30 hatte. Die Menschen waren aus ihrer Heimat verschleppt worden oder wurden nach der Besetzung gezwungen, in Deutschland zu arbeiten.

Im Lager lebten vermutlich ab 1942 bis Mai 1945 insgesamt 71 Menschen. 44 von ihnen kamen aus Frankreich, die anderen aus den Niederlanden und Belgien.
Heidenreich & Harbeck produzierte vor allem Drehbänke, Munition, Geschützrohre und Flakgeschütze. Dazu gab es verschiedene kleinere Projekte in der NS-Zeit wie auch in Langenhorn und der Bürgerweide. Heidenreich & Harbeck setzte hunderte Zwangsarbeitende ein. Sie kamen vor allem aus der Sowjetunion, Frankreich und den Niederlanden. Ab Oktober 1943 wurde auch 49 italienische Militärinternierte eingesetzt.
Bis zur Befreiung im Mai 1945 lebten nach der Meldekartei 28 Menschen in der ehemaligen Gaststätte in der Jarrestraße 27. Ein Schreiben vom 9. Dezember 1944 spricht von einer Essensversorgung von 27 Portionen.
Die anderen waren von 1943 bis 1944 in andere Lager von Heidenreich & Harbeck, vor allem in der Burmeisterstraße am Osterbekkanal/Barmbeker Stichkanal, verlegt worden.

Am 4. Mai 1945 trafen sich Tausende ehemalige Zwangsarbeiter:innen auf dem Hamburger Rathausmarkt unter ihren Landesfahnen und forderten ihre Rückreise in die Heimat. Die britischen Befreier organisierten 1945/1946 über den Bahnhof Dammtor die Rückfahrt von insgesamt 110.000 Zwangsarbeitenden, die damals von Hamburger Unternehmen ausgebeutet wurden. Auf der Meldekartei der Jarrestraße 27 wurde bei „verzogen nach“ damals nur „unbekannt“ eingetragen/
Rundgang zu Orten des NS-Zwangsarbeit in Winterhude
Am 8. September 2026 beginnt um 16 Uhr ein Rundgang auf Höhe des Poßmoorweg 46 zu den Zwangsarbeiter:innen in der NS-Zeit in Winterhude. Wir starten am „Lager Poßmoorweg“, über den Moorfurthweg, die Forsmannstraße, die Semperstraße und zur Barmbeker Straße bis zu Kampnagel.
Es wird inhaltlich um die Zwangsarbeitslager am Poßmoorweg, dem Moorfurthweg, der Schule Forsmannstraße, der Semperstraße und der Jarrestraße 27 gehen. Thema sollen auch die Unternehmen werden, die damals die Zwangsarbeitenden ausgebeutet hatten wie bei Schülke & Mayr (gibt es heute noch) im Moorfurthweg (heute Goldbek-Haus), bei Maihak (gibt es heute als Teil der Sick AG) in der Semperstraße 24/26, bei Hugo Pfohe (Ford) in der Barmbeker Straße 26/30 oder bei Kampnagel (gibt es nicht mehr) in der Jarrestraße.
Stationen des Rundgangs
| 16:00 | Poßmoorweg 46 |
| 16:25 | Moorfurthweg 2 |
| 16:35 | Goldbek-Haus. Moorfurthweg 9 |
| 16:45 | Schule Forsmannstraße 32/34 |
| 17:05 | Semperstraße 26 |
| 17:25 | Barmbeker Straße 26 |
| 17:30 | Jarrestraße 27 |