
Luigi Di Lieto musste ab November 1944 als italienischer Militärinternierter für das damalige Rüstungsunternehmen Kampnagel in der Jarrestraße/Ecke Barmbeker Straße arbeiten. Später schrieb er für sich seine Erinnerungen für sich selbst auf. Sie waren nicht für die Öffentlichkeit gedacht. Einige Seiten daraus hat seine Familie später zu Papier gebracht, als pdf.
Darin schildert er einiges über sein Leben in Oflag in Wietzendorf, die Form ihres Widerstandes im Lager, seine Arbeit bei Kampnagel, das Leben im Lager am Poßmoorweg sowie seine Verfolgung durch das NS-Regime.
Luigi di Lieto (in den Berichten oft „Gigi“ oder „Gigino“ genannt) beschreibt eine Zeit extremer körperlicher Belastung, großer Gefahr, aber auch als eine Zeit des stillen Widerstands, der Improvisation und des Zusammenhalts. Er war am 5. Oktober 1919 in Minori geboren, eine italienische Gemeinde mit einigen tausend Einwohnern:innen in der Provinz Salerno in der Region Kampanien an der Amalfiküste in Süditalien. Er hatte sieben Geschwister. Sein Bruder Matteo, so schrieb er in seinen Erinnerungen, war bei der italienischen Resistenza.

1941 kam er zur italienischen Armee und begann eine Offizierslaufbahn. In seinen Erinnerungen schildert er seine Lage nach dem 8. September 1943. Wie soll er sich entscheiden? Hin- und hergerissen wie er von Kroatien zur noch bestehenden regulären italienischen Armee, der Reste nach dem Waffenstillstand nach Süditalien sich zurückgezogen hatte. Auf dem Weg suchte er Unterkunft bei einer Familie, die ihn vor der deutschen Wehrmacht Verstecken wollte. In ihre Gefangenschaft wollte er nicht. Später wurde er jedoch gefangengenommen und kam über verschiedene Stalag nach Wietzendorf. An einem Abend im November 1944 kam er im Lager am Poßmoorweg an. In der deutschen Meldekartei wird der 14. November 1944 eingetragen. Die meisten IMI bei Kampnagel waren Offiziere der italienischen (könglichen) Armee. Nur wenige IMI waren schon Lager in Hamburg.
“Unser Lager lag etwa zwei Kilometer entfernt: Baracken, die etwas komfortabler waren als die in den Lager (Wietzendorf). Wir haben einen Kohleofen! Man hat uns harte und natürlich einfache Arbeiten übertragen.
Jeden Morgen transportiere ich mit der Schubkarre die Kohle zu den Vorarbeitern der verschiedenen Abteilungen,dann helfe ich – oder sollte helfen – einem Dreher. Wir verstanden uns nicht besonders gut. Der Dreher … ging aufgrund einiger Anklänge an seine Muttersprache davon aus, dass ich ihn verstehen würde.” Bereits im Oflag Wietzendrof hatte sie sich kleine Formen des Widerstands überlegt. Auch bei Kampnagel hielten sie daran fest. “Wir hatten uns übrigens vorgenommen, so viel wie möglich zu blockieren. Wir veranstalteten in der Fabrik eine Art Turnier für Faulenzer.
– Reich mir den Hammer! Und ich stand bereit mit dem Eimer voller Fett.
– Die Zange! Und ich reichte ihm den Hammer. Aber ich beobachtete ihn gerne, während er den Meißel führte, der die Teile drehte.
Zu Beginn musste Luigi einfache, schwere Arbeiten verrichten.Später wurde er mit sieben Kameraden als Schweißer an 4–5 cm dicken Blechen eingesetzt. Da sie keinerlei Erfahrung hatten und durch die Schweißmasken nichts sahen, schoben sie diese beiseite, was das Augenlicht aller Beteiligten durch die blendenden Lichtblitze schädigte. In Abwesenheit des Meisters nutzte Luigi die Drechselbank, um eine Spindel zum Strümpfeflicken und einen hölzernen Kreisel („Strummolo“) aus seiner Kindheit herzustellen. Als der Meister ihn erwischte, bezichtigte er ihn wüst der Sabotage, Lüge, des Verrats.
Dank der Erinnerungen von Luigi wurde ein Stück ihres Arbeitsweges vom Lager zu Kampnagel oder zurück transparent. Sofern die Straßenbahnlinie 27 fuhr, war es der Weg ins Lager. “Beim Ertönen der Sirene hatten wir uns schon so gut es ging hergerichtet, versteckten uns hinter den Maschinen…. Die Deutschen,die beim Ertönen der Sirene diszipliniert aufhörten, konnten nicht verstehen, wie wir das machten. Sie verloren.,wertvolle Zeit und riskierten, die Straßenbahn zu verpassen. An der Haltestelle bildete sich stets eine äußerst disziplinierte Schlange. Die Straßenbahn, die von einer Frau gesteuert wurde, kam an. Eine zweite Frau, die als Schaffnerin fungierte, stieg aus und forderte die Leute auf, einzusteigen… Selbst wer schon einen Fuß auf dieTrittstufe gesetzt hatte, zog ihn zurück und blieb in der Schlange stehen, um auf die nächste Fahrt zu warten.

Als ein unerfahrener italienischer Kranführer eine von Luigi und seinen Kollegen geschweißte Konstruktion gegen eine Bohrmaschine rammte und diese zerbrach, wurde den Männern Sabotage vorgeworfen. Zur Strafe wurden sie in die Hamburger Vorstadt strafversetzt. Leider konnte der Ort nicht ermittelt werden. “Auf einem riesigen Gleisgelände trafen Züge aus der „verlassenen Stadt“ Hamburg ein, beladen mit Trümmern, darunter menschliche Überreste und Tierkadaver in fortgeschrittenem Verwesungszustand. Ein unerträglicher Gestank! In dem kleinen Zug, der zwei Kilometer vom Arbeitsplatz entfernt fuhr, gab es keinen Fahrgast, der sich nicht die Nase zuhielt. Sobald man die Schaufel oder die Heugabel hineinsteckte, stieg ein solcher Gestank auf, dass man sich übergab und sich aus dem Waggon warf.
Der Aufseher schoss uns zwischen die Beine, und dann ging es wieder hinauf, um es erneut zu versuchen und sich erneut zu übergeben. Etwa dreißig unserer Soldaten verrichteten diese Arbeit seit Monaten und hatten sich an diese schrecklichen Gestank geweihte gewöhnt. Sie waren verständnisvoll und freundlich zu uns. Sie schlugen vor, sich in Teams zu organisieren, und setzten dies durch; jede Gruppe nahm einen von uns auf und befreite uns von der Arbeit.”
Zu seinen Erzählungen gehörte der Kampf gegen den Hunger. Das war nur möglich, indem man sich selbst darum kümmerte, was größte Lebensgefahr bedeutete. “Da es etwas zu klauen gab, wollte ich es auch versuchen. Ich nahm meinen Rucksack mit und obwohl mich ein Bahnpolizist verfolgte, gelang es mir, ihn abzuschütteln und mich in einen Waggon zu schleichen, der mit getrockneten Bohnen beladen war. Ich kam mit klopfendem Herzen dort an, während die Schüsse des Polizisten halten, der offensichtlich in die Luft schoss, um mich einzuschüchtern. Zusammengekauert in einer Ecke, von der Angst geplagt, meine Tage auf diesem Haufen Bohnen zu beenden, verfluchte ich die Unbesonnenheit dieses Abenteuers …. Ich blieb etwa eine Stunde lang dort drinnen und lauschte meinem rasenden Herzen. Dann, als alles ruhig zu sein schien, wollte ich die Beute, diemir so viel Angst gekostet hatte, nicht aufgeben. Ich packte meinen Rucksack und schloss mich der Gruppe an.
Am Abend kehrten wir zum Lager zurück, und da der kleine Zug überfüllt war, fuhren wir auf den Stoßfängern: ich, ein Franzose, ein Ukrainer, ein Niederländer und ein Deutscher. Bei der Ankunft hielt uns ein Polizist an und befahl uns, ihm zu folgen: Vorne der Polizist, dann der Deutsche und wir alle, ich ganz hinten. Ich zitterte unter dieser Last auf meinen Schultern. Man würde mich dafür zur Rechenschaft ziehen, mit all den unangenehmen Folgen. Die einzige Lösung war, sie loszuwerden. Ein inakzeptables Opfer für das, was mich diese Bohnen an Gefahr gekostet hatten. Ich hatte einen Geistesblitz, versteckte mich hinter einer Säule und rannte zum Ausgang. Zuerst ahmte mich der Ukrainer nach, dann der Franzose und der Niederländer. Der Polizist drehte sich nicht einmal um, in der Überzeugung, dass alle wie er das Gesetz befolgten, das er selbst verkörperte.”
Was wurde aus Luigi Di Lieto?
Nach der Befreiung 1945 wurde er Lehrer in Minori und später Schulleiter. Nach seiner Schulzeit betätigte er sich künstlerisch aus Autor und Maler.
“Er schrieb, wie er oft bei den „kulturellen“ Zusammenkünften auf den kleinen Plätzen der Küstenstadt betonte, aus purer Freude am Geschichtenerzählen. Er veröffentliche viele Bücher, deren Titel uns nichts sagen, aber eine Übersicht verdeutlicht sein Schaffen: „ Es war einmal in einer Stadt “, „ Alte Geschichten aus meiner Heimat “ (1989); „ Erinnerungen sammeln “ (1994); „ Weiße Witwe “ (1996); „ So sprach Großvater “ (1998); „ Das fleißige Minori “ (2000); „ Ein Meister erzählt eine Geschichte “ (2001); „ Das 20. Jahrhundert an der Küste “ (2002); „ Leichte Lektüre “ (2003); „ Lasst uns darüber reden “ (2006); „ Erinnerungen sammeln “ (2006); „ Paranze “ (2007). „ Anthologie der Erinnerungen “ 2009; „ Freie Gedanken “ 2010; „ Autobiografie von Herrn Tizio “ 2011; „ Ein bisschen… Poesie “ 2012; „ Das Waisenkind “ 2013; „ Vater sein , Sohn sein, Geschichten unserer Zeit “ 2014; „ Leben und Probleme von heute “ 2015.

Di Lieto malte aber auch gern. Zu seinen bedeutendsten Ausstellungen zählten eine Gruppenausstellung in Salerno 1973; eine Einzelausstellung in Salerno 1974 ; eine Gruppenausstellung in Minori 1976; eine Einzelausstellung in Minori 1977; eine Einzelausstellung in Salerno 1978; eine Ausstellung in Minori zugunsten von AIRC 1993 ; eine Ausstellung in Minori zugunsten von AIL 1995; eine Ausstellung in Minori zugunsten von UNICEF 1998; eine Ausstellung in Minori zugunsten der Kathedrale 2001; eine Ausstellung in Minori zugunsten der Errichtung einer Statue am Denkmal 2003; und eine Ausstellung in Salerno zugunsten der Waisen von Nassiriya 2005.
Di Lieto malte aber auch gern. Zu seinen bedeutendsten Ausstellungen zählten eine Gruppenausstellung in Salerno 1973; eine Einzelausstellung in Salerno 1974 ; eine Gruppenausstellung in Minori 1976; eine Einzelausstellung in Minori 1977; eine Einzelausstellung in Salerno 1978; eine Ausstellung in Minori zugunsten von AIRC 1993 ; eine Ausstellung in Minori zugunsten von AIL 1995; eine Ausstellung in Minori zugunsten von UNICEF 1998; eine Ausstellung in Minori zugunsten der Kathedrale 2001; eine Ausstellung in Minori zugunsten der Errichtung einer Statue am Denkmal 2003; und eine Ausstellung in Salerno zugunsten der Waisen von Nassiriya 2005.” (Nach der Befreiung 1945 wurde er Lehrer in Minori und später Schulleiter. Nach seiner Schulzeit betätigte er sich künstlerisch aus Autor und Maler. “Er schrieb, wie er oft bei den „kulturellen“ Zusammenkünften auf den kleinen Plätzen der Küstenstadt betonte, aus purer Freude am Geschichtenerzählen. Er veröffentliche viele Bücher, deren Titel uns nichts sagen, aber eine Übersicht verdeutlicht sein Schaffen: „ Es war einmal in einer Stadt “, „ Alte Geschichten aus meiner Heimat “ (1989); „ Erinnerungen sammeln “ (1994); „ Weiße Witwe “ (1996); „ So sprach Großvater “ (1998); „ Das fleißige Minori “ (2000); „ Ein Meister erzählt eine Geschichte “ (2001); „ Das 20. Jahrhundert an der Küste “ (2002); „ Leichte Lektüre “ (2003); „ Lasst uns darüber reden “ (2006); „ Erinnerungen sammeln “ (2006); „ Paranze “ (2007). „ Anthologie der Erinnerungen “ 2009; „ Freie Gedanken “ 2010; „ Autobiografie von Herrn Tizio “ 2011; „ Ein bisschen… Poesie “ 2012; „ Das Waisenkind “ 2013; „ Vater sein , Sohn sein, Geschichten unserer Zeit “ 2014; „ Leben und Probleme von heute “ https://www.ilvescovado.it/it/eventi-e-spettacoli-38/minori-ricorda-luigi-di-lieto-artista-scrittore-84781/article
Er starb kurz vor seinem 98. Geburtstag am 5. August 2015.