Die Massaker am Monte Grappa im September 1944

Unter dem Befehl von SS-Polizei-Oberst Paul Zimmermann sammelte sich ab Anfang September 1944 in Castello di Godego eine Streitmacht von etwa 10.000 Mann. Diese bestand aus Einheiten der Wehrmacht, der SS, der Ordnungspolizei (darunter das II. Bataillon des SS-Polizei-Regiments Bozen), ukrainischen Hilfstruppen sowie italienisch-faschistischen Verbänden der Nationalgarde (GNR), den Schwarzen Brigaden, der Legion „Tagliamento“ und Sondereinheiten des Sicherheitsdienstes (SD) unter SS-Obersturmführer Herbert Andorfer.

Die „Operation Piave“

Die „Operation Piave“ war im September 1944 eine großangelegte militärische Durchkämmungsaktion am Monte Grappa. Sie sollte die dort kämpfenden Partisanen zerschlagen und die Rückzugswege der deutschen Truppen nach Norden offenhalten. Die Operation war nicht nur ein militärischer Kampf gegen die Resistenza, sondern auch ein Akt des Terrors gegen die Bevölkerung.

Dem standen rund 1.200 schlecht bewaffnete Männer gegenüber. Auf dem Massiv des Monte Grappa operierten verschiedene Partisanenbrigaden. Diese schlossen sich im Sommer 1944 größtenteils zur übergeordneten Divisione „Monte Grappa“ zusammen. 

Brigate del Popolo

Diese Einheiten gehörten zu den Autonomen Kräften (Fiamme Verdi) und stellten zahlenmäßig die stärkste Kraft auf dem Berg dar: [8, 9, 10] 

  • Brigata „Giacomo Matteotti“ (ca. 500 Mann unter Captain Angelo Pasini), auch Brigata del Popolo „Nuova Italia“ genannt) – operierte primär auf der Westseite des Bergmassivs.
  • Brigata „Damiano Chiesa“ – benannt nach dem irredentistischen Märtyrer.
  • Brigata „Cesare Battisti“ – aktiv am Süd- und Osthang des Massivs. 

Garibaldi-Brigaden

  • Brigata „Antonio Gramsci“ (ca. 150 Mann) – Die wichtigste kommunistische Formation in der Region, deren Gruppo Divisionale „Monte Grappa“ (speziell das Bataillon „Martiri del Grappa“) erbitterten Widerstand an den Nordhängen in Richtung Feltre leistete. 

Giustizia e Libertà

  • Brigata „Italia Libera“ (Campo Croce) (ca. 250 Mann) – Eine Elite-Einheit, die sich aus vielen Studenten und ehemaligen Offizieren zusammensetzte

Weitere autonome und kleinere Brigaden

  • Brigata „Zancanaro“ (teilweise auch Anselmo Cessi oder Brigata Val Cismon).
  • Brigata „Zecchinel“
  • Brigata „Buozzi“

Eingeleitet von schwerem Artilleriefeuer begann am 21. September der Angriff von allen Seiten auf das umzingelte Bergmassiv. Die Partisanen, die kaum Munition hatten, wurden überrannt und zogen sich auf die Gipfel zurück, wo viele sofort erschossen wurden. Angesichts der Niederlage gab der Partisanenkommandant Pasini am 21. September um 13:30 Uhr den Befehl „Rette sich, wer kann“ (si salvi chi può).

Von Bundesarchiv, Bild 101I-312-0983-10 / Koch / CC-BY-SA 3.0,

Nach dem schnellen militärischen Sieg folgte die systematische und von extremer Grausamkeit geprägte Durchkämmung der Täler und Dörfer. Um die verbleibenden Partisanen aus ihren Verstecken zu locken, ließ SS-Obersturmführer Andorfer plakatieren, dass jedem Mann das Leben geschenkt würde, der sich freiwillig zur Flak oder zur Organisation Todt melde. Eltern überredeten ihre Söhne, sich zu stellen, um sie zu retten. Die Jugendlichen, die diesem zynischen Versprechen glaubten, wurden jedoch gefoltert und anschließend ermordet.

Die NS-Opfer am Monte Grappa

Die Operation Piave forderte laut den Abschlussberichten insgesamt 264 Todesopfer (darunter 187 Gehängte, Erschossene oder Verbrannte, 23 im Gefecht Gefallene und eine Reihe von Vermissten, die vermutlich in Massengräbern endeten). Verschiedene Bewohner:innen wurden erst in KZ/Durchgangslager Bozen verschleppt und vor dort in KZ Dachau. 44 Namen dokumentieren wir noch.

Zeitliche Abfolge (September 1944)

  • 10. – 19. September: Aufstellung und Vorbereitung der nazi-faschistischen Truppen bei der Villa Caprera in Castello di Godego.
  • 17. September: SS-Polizei-Oberst Paul Zimmermann erlässt den Befehl an die Truppen: „Uccidete tutti coloro che catturerete… concentrate tutto, incendiate tutto“ (Tötet alle Gefangenen, macht ihre Körper unkenntlich, brennt alles nieder). Am selben Tag wird Secondo Tonnellato in Pederobba verhaftet.
  • 20. September (06:30 Uhr): Beginn der Offensive von der Ostseite (Quero und Alano di Piave) in Richtung Monte Madal.
  • 21. September: Die Truppen riegeln den Südwesten ab und nehmen Zivilisten als Geiseln. Um 13:30 Uhr erfolgt der Auflösungsbefehl der Partisanen.
  • 22. September: Razzia beim Milchviehbetrieb Cavasi: 5 Partisanen werden erschossen, andere gefasst und später nach Dachau deportiert. In der Reatto-Kaserne in Bassano werden 2 gefangene Partisanen per Genickschuss ermordet. In Cavaso del Tomba werden Gefangene im Glockenturm brutal gefoltert.
  • 23. September: Beginn der Massenhinrichtungen in den Dörfern im Tal. In Cavaso del Tomba werden nacheinander 13 Männer an Balkonen und Laternen erhängt. In Gherla werden 7 gefolterte Gefangene (darunter 4 Carabinieri) erschossen. In Possagno wird Leutnant Leo Menegozzo vor den Augen seiner Eltern an einem Laternenpfahl erhängt und sein Haus niedergebrannt. Angelo wird bei den Casere del Termine erschossen. In Carpanè werden 2 Patrioten erschossen.
  • 24. September: Im Val dei Frassini werden 7 Zivilisten/Partisanen erschossen, nachdem sie Munition transportieren mussten. In Crespano del Grappa wird der Carabiniere-Leutnant Luigi Giarnieri nach zweitägiger Folter an einem Fleischerhaken aufgehängt, 3 weitere Gefangene werden nach Denunziation durch eine Spionin hingerichtet. In Paderno del Grappa wird Vial an einer Postlaterne aufgehängt. In der Reatto-Kaserne (Bassano) werden 15 Partisanen erschossen (darunter ein 13-jähriger Junge im Exekutionskommando). In Carpanè werden 8 Partisanen erschossen. Auf Campo Solagna werden 3 alliierte Partisanen erschossen. Pietro Lenorose wird in Pederobba gehängt.
  • 25. September: In Pederobba werden 5 Männer gehängt (darunter Luigi Conte und Antonio Mascotto). In Cornuda werden 5 Männer gehängt.
  • 26. September: Das Massaker von Bassano del Grappa – 31 (oder 32) Jugendliche, die Andorfers Versprechen geglaubt hatten, werden mit Telefonkabeln an den Bäumen der Alleen erhängt. In Carpanè werden weitere 16 Partisanen erschossen, darunter 14 alliierte Soldaten sowie die im vierten Monat schwangere Giannina Giglioli.
  • 27. September: Giovanni Mocellin wird in Onigo di Pederobba vor den Fabrikarbeitern gehängt. In Paderno del Grappa werden 3 Partisanen erschossen.
  • 28. September: Offizielles Ende der Operation Piave. Einigen versprengten Partisanen gelingt die Flucht zur Brigade Gramsci.
  • 29. September: Massaker von Casella d’Asolo – 15 der verbliebenen Häftlinge aus der Kaserne in Bassano werden auf ein Feld getrieben und erschossen.

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